EMM 17: Schöner sterben: Musik in Videogames
Zwischen Hölle und Berggipfel: Die Soundtracks von Doom 2016 und Celeste
31.05.2026 68 min
Zusammenfassung & Show Notes
Wir beschäftigen uns heute mit Gaming OST – Musik also, die für Computerspiele geschrieben wurde. Sie ist im gesamten Spiel da, sie beeinflusst uns auch – doch nicht alle, die spielen, nehmen sie wahr. Es sei denn, sie hat das gewisse Etwas. Oder sie geht uns einfach auf die Nerven. Bei Spielen unterstreicht Musik das Geschehen oder die Stimmung, sie kann uns aufpeitschen oder ruhig halten. Mitunter ist beides nötig.
Welches Kaninchenloch besuchen wir heute?
Wir sprechen über das Gaming und darüber, dass die Soundtracks dazu mehr sind als eine überhörbare Begleiterscheinung. Längst hat es die Musik aus Computerspielen in die Konzertsäle geschafft – wenn auch noch immer als Kuriosum. Aber hinhören lohnt sich. Seitdem Games nicht mehr auf computerinterne Soundchips angewiesen sind, sind die Soundtracks eine Kunstform für sich. Mit ganz besonderen Komponist*innen. Dafür ist Chiptune heute eine eigenständige Kunstform für die Bühne – siehe dazu unsere Folge 09 mit ArottenBit oder Folge 15 mit Masterboot Record.
Notizen vom Wegesrand
Mick Gordon: Doom
Notizen vom Wegesrand
Mick Gordon: Doom
- Mick Gordon ist Komponist fürs Gaming, stammt aus Australien und hat neben Doom auch Teile der Spielreihe Wolfenstein und zahlreiche weitere Spiele vertont.
- Doom, der klassische Egoshooter, wurde 2016 neu aufgelegt und fand große Beachtung wegen seiner herausragenden Grafik – aber auch wegen der Musik von Mick Gordon. Doom, bei man sich durch Horden von höllischen Dämonen schlachtet, hatte von Anfang an großen Einfluss auf die Kultur – zum einen gehört es zu den Spielen, die ständig aus Beispiel in der Killerspiel-Debatte herhalten müssen. Zum anderen hat sich unter Technikfreaks die Frage verbreitet: Can it run Doom? Seitdem haben unzählige Menschen das Spiel auf unzähligen Geräten installiert – vom Toaster bis zum Schwangerschaftstest.
- Der Soundtrack besteht aus Metal, Industrial, unwirklich wirkenden Geräuschen – hergestellt unter anderem mit Hilfe von einer Kettensäge, einem Rasenmäher und einem russischen Synthesizer namens Polivoks.
- Diese Handschrift von Mick Gordon erkennt man auch in der Industrial-Band 3Teeth, die mit dem Komponisten und Produzenten zusammenarbeitet
Lena Raine: Celeste
- Achtung: 180-Grad-Wende. Das Indie-Spiel Celeste ist auf eigentlich allen Ebenen das Gegenteil von Doom 2016. Ruhig, in blauer Pixel-Optik, geht es nicht gegen dämonische Horden, sondern gegen die inneren Dämonen, um den Weg zu sich selbst. Die Spielenden müssen Klippen in einer eisigen Welt bezwingen und lernen, dass Scheitern nicht das Ende ist.
- - Das Spiel wurde hoch gelobt, auch wegen seiner Musik von Lena Raine. Die Komponistin und Produzentin hat ebenfalls markanten, wiedererkennbaren Sound entwickelt, auch sie verbindet digital und analog erzeugte Klänge. Dabei lernen wir, was eine Rechteck-Welle von einer Sinuswelle unterscheidet.
Pflanzen gegen Zombies
- Nachdem wir die Welt und uns selbst gerettet haben, müssen wir noch kurz unseren Vorgarten verteidigen. Das machen wir mit dem Spiel Pflanzen gegen Zombies, in dem Zombies unser Gehirn fressen wollen und wir uns mit militanten Pflanzen verteidigen – vom Matschkürbis bis zum Melonenwerfer.
- Dieses Tower-Defense-Spiel hatte seinerzeit den Nerv vieler Menschen getroffen, weil es niedlich und witzig ist und außerdem schnell gespielt. Die Musik dazu ist nicht ganz so komplex wie die vorherigen Beispiele – aber sie wurde gern gecovert. Unter anderem von Rusce Torres aus Thailand, der unter dem Namen Reeds and Seeds ein ganzes Jazualbum dazu veröffentlicht hat.
Das gibt es auf die Ohren
- Mick Gordon – Dogma (Doom 2016)
- Mick Gordon – Bfg Division (Doom 2016)
- 3Teeth – Merchant of the Voids
- Lena Raine – Resurrections (Celeste)
- Reeds and Seeds – Zombies On Your Lawn
Wenn ihr weitergraben wollt
- Lets play: Gronkh spielt Doom 2016
- Lets play: Living Sun spielt Celeste
- Lets play: KeysJore spielt Pflanzen gegen Zombies
- Die Homepage von Mick Gordon
- Mick Gordon im Interview
- Mick Gordon spielt zur Verleihung der Games Awards
- Die Homepage von 3Teeth
- Die Homepage von Lena Raine
- Lena Raine im Interview
- Die Homepage von Ruscel Torres
- Die Gaming-Musikfolge von Tracks auf arte
- Das Musical zur Gaming-Geschichte (300. Folge von Game Two)
- Gaming in Symphony - Halo (The Danish National Symphony Orchestra)
Fragen, die wir erst hier richtig beantworten können
Reagiert die Musik auf das Spielgeschehen?
Ja, das tut sie. Gaming-Musik kann man sich sehr grob als ein Baukastensystem vorstellen. Ein Beispiel: Sie ändert sich, wenn sich etwa in Doom Gegner ankündigen oder wenn ein Kampf gegen viele Gegner ausgetragen wird. Diese Änderungen können das Tempo oder die Lautstärke betreffen, es werden aber auch weitere Lagen von Instrumenten hinzugefügt. Insofern entsteht bei jedem Spielen eine eigene Musik – vorgegeben von den Komponist*innen, aber unbewusst bestimmt vom Spielverlauf.
Damit sind die kompletten einzelnen Titel auf einem Album auch nur eine Art Serviervorschlag der Komponist*innen. So wird auch der Streit zwischen Mick Gordon und Bethesda verständlich, wenn Mick Gordon nicht damit einverstanden ist, dass seine eigene Musik nicht von ihm selbst für das Album zu Doom Eternal abgemischt wurde.